Kirgisistan – ein fast 4.000er


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Beim durchschauen der Bilder musste ich doch schon wieder schmunzeln. Auf dem Weg Richtung Issyk-Kul (Issyk heißt soviel wie warm & salzig, Kul ist einfach der See) machten wir bei einem Handarbeitsladen halt, in dem wir uns mit Souvenirs eindeckten und ich eine kurze, aber witzige Unterhaltung mit einem kleinem Mädchen führte. Aber ich fange erstmal beim meinem Fast-4.000er an.

Für mich schon wieder eine Premiere, so hoch war ich noch nie – und, soviel ist sicher, hätte der Berg die 4.000 gehabt, die letzten 50 Höhenmeter hätte ich sicherlich auch noch geschafft. Vielleicht lag es auch einfach nur an unseren Höhenmessern, dass die nicht 100 % geeicht waren, aber keiner der Drei zeigte mehr als 3960 Meter an. Die Tour war nicht sonderlich schwer, wir mussten allerdings von unserem ursprünglichen Plan abrücken da der andere Gipfel zu lawinengefährlich war. Und so mißbrauchten wir die Ski nur zum Anstieg (und das nachdem wir sie erstmal eine halbe Stunde auf dem Rücken getragen haben) und machten uns dann durch Schnee & Steine auf den Weg zum Gipfel. Diesmal war der Wind noch heftiger und wenn der Pickel, der wirklich einen geringen Windwiderstand hat, einen Meter daneben eintaucht, als man eigentlich wollte, könnt ihr Euch ungefähr die Boen vorstellen. Das und die doch schon anspruchsvolle Höhe waren der Grund warum wir uns dann wieder zügig Richtung Camp durch die Felsen arbeiteten.

Ziemlich fertig von der Tour gab es erstmal ein Abendessen (Nudeln mit Tomatensoße, wer hätte es gedacht ;)) und wir verkrochen uns in die Schlafsäcke. Als wir am nächsten Morgen aufwachten, wussten wir, unsere Steinmauer hat Ihren Dienst erfüllt. Oder besser gesagt: wie vermutet kam gar kein Auto… Dafür hatten wir reichlich Schnee auf dem Zelt, das wir an diesem Morgen wieder abbauten. Denn an Skitouren war nicht mehr zu denken. Wir waren einfach zu spät dran und haben das auch irgendwann akzeptiert. Dazu war der Winter, zumindest in der Region in der wir unterwegs waren, einfach zu mild und brachte zuwenig Schnee.

Nun denn, auf zum Issyk-Kul, stundenlanges Schotterstraßen-Gehoppel. Die Landschaft und die Menschen entschädigten aber dafür. In einem Dorf machten wir Halt und uns auf die Suche nach frischem Wasser, etwas zum knabbern und Tilek brachte uns wie gesagt zu diesem Handwerker-Laden. Dieser wird wohl von 16 Frauen betrieben und wir unterstützen hier die lokalen Arbeitsplätze. Da kauft man gerne ein. Außerdem bekam ich wieder das ein oder andere Bild geschenkt. Während wir uns umschauten fiel mir eine grüne Mütze mit Ohren auf, die ich natürlich anprobieren musste. Das kleine Mädchen, das in dem Laden herumlief sah das, kam zu mir und grinste mich an. Also beugte ich mich zu ihr runter. Sie nahm mir die Mütze ab und machte Bewegungen wie ein Monster und seltsame Geräusche – nach dem dritten Mal verstand ich was sie sagte: „Shreeeeeaaak“ (oder auch bekannt als „Shrek“). Verdammt, damit hatte sie mich fast und wenn die Haube etwas besser gepasst hätte, hätte ich sie sicherlich mitgenommen.

Der Issyk-Kul ist nach dem Titicaca-See der zweitgrößte Alpinsee – auf 1.700 Metern Meereshöhe, bis zu 700 Metern tief und gespeist von rund 80 Gletschern. Da er keinen Abfluss hat und das Wasser nur verdunsten kann ist er leicht salzig. Zusätzlich wird er von unterirdischen, heißen Quellen gespeist, sodass er im Winter nie zufriert. Diese Hotspots kann man auch am Ostrand des Sees besuchen – so weit sind wir aber leider nicht gekommen.

Im Guesthouse waren wir vom Vortag noch ziemlich fertig, aber die Dusche war mal wieder eine absolute Wohltat und auch die russische Mama kochte herrvoragend. Wir waren ja auch im Kinderzimmer untergebracht… Der nächste Tag war zum Sandeln gedacht – und der Regen bestätigte uns das. Am Nachmittag riß es aber nochmal auf und die Luft war unglaublich klar. Also gings mit Tilek los, einen Spaziergang durch den Ort und ins Sanatorium geschaut, in dem schon Juri Gagarin, der erste Kosmonaut, trainierte und anschließend behandelt wurde. Der Bau, der Park, alles war leer und wurde für den Sommer vorbereitet. Besonders wohl habe ich mich dort nicht gefühlt. Die Kinder auf der Straße brachten mich zum Glück schnell auf andere Gedanken. Übrigens ist diese Region bekannt für seine Aprikosen – diese werden nach ganz Europa verschifft. Das nächste Mal wenn ich welche sehe, werde ich die Augen nach kirgisischen Aprikosen aufhalten.

 

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