Istanbul delight – Holz und Leder


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Photoday – fotografierend die Umgebung abklappern war der heutige Tagesplan. Also bin ich los und habe zu Fuß die nähere Umgebung abgegrast. Eine Kirche, ein Gürtelmacher, Meister Gepetto und der Besuch des Galataturms waren das Ergebnis.

Von unserer Wohnung aus, einem komplett renovierten Altbau, sind es keine 10 Meter und dort haben die Häuser keine Fensterscheiben mehr, sehen ausgebrannt aus und sind doch belebt…

Der erste Halt, den ich machte, war ein Kiosk, an dem ich morgens unser Brot holte. Davor steht immer ein älterer Herr mit Hörgeräten und einer großen Brille, der brummelnd seine Zeitung liest. Da ich gerne ein Portrait von ihm wollte stellte ich mich vor ihn und sagte „Pardon“. Keine Reaktion. Also ein zweites Mal, ein bisschen lauter. Wieder nix. Ein drittes Mal. Natürlich wieder etwas lauter. Inzwischen grinste mich schon der Kioskbesitzer durchs Fenster an und fragte ob ich was wollte. Also deutete ich auf meine Kamera und den älteren Mann. Er verstand. Inzwischen hatte auch der Alte mitbekommen, das irgendwas loswar. Also auf die Kamera gezeigt, mein breitestes Lächeln rausgeholt. Er nahm die Brille ab und schenkte mir das Bild. Er verbeugte sich noch leicht und das Gefühl, soetwas geschenkt zu bekommen ist unheimlich stark. Der Tag hat gut begonnen.

Hier ist auch so ein bisschen das Arbeiterviertel, in dem es noch echtes Handwerk gibt. Wie den Gürtelmacher. Neugierig blickte ich eine Treppe runter und wurde auch gleich reingewunken. Nein, nicht um mir was zu verkaufen. Das war reine Gastfreundschaft. Die erste Frage war, ob ich denn einen Cay möchte? Mit dem Tee in der Hand erklärte mir der Inhaber eine halbe Stunde lang, jede seiner Maschinen. Auf türkisch versteht sich. Ich nicht… Aber da er ja alles an Material da hatte wurde mir vorgemacht, was es denn mit den Gerätschaften auf sich hatte. So verstand dann auch ich. Nach dem zweiten Tee hab ich mir dann doch einen Gürtel (bzw. die Einzelteile) ausgesucht und fertigstellen lassen. Für 11 €. Ein schickes Ding.

Eine Kirche, in dessen wildwuchernden Garten die Hühner scharrten, und in dessen inneren sich ein Flohmarkt befand, war mein nächstes (wenn auch nicht erklärtes) Ziel. Ein Schild an der Eingangtür klärte mich auf, dass diese Kirche dort nicht subventioniert wird und sich aus Spenden finanziert. Aha! Hab ich so aber sonst auch nicht gesehen.

Mit ist dann noch ein Laden (Geschäft, Atelier? Mir fällt kein passender Name ein) aufgefallen: Die Regalbretter im „Schaufenster“ bogen sich unter der Last der Holzteile und Späne. Schräg angebracht waren sie außerdem. Drinnen stand ein ein freundlicher Drexler, der in seiner Werkstatt den ganzen Tag nichts anderes machte, als knietief in Holzspänen zu stehen und zu drehen. Unterbrochen von dem ein oder anderen Besucher, der ein Pläuschchen mit ihm machte oder kurzerhand seine Säge benutze und wieder ging.

Ich bin zutiefst beeindruckt, wie gastfreundlich die Türken sind und einem immer offen und herzlich begegnen.

Als krönenden Abschluss reihte ich mich in die Schlange ein um auf den Galata-Turm zu kommen. Die Schlange war nicht besonders lang aber es dauerte 45 Minuten, bis ich endlich oben war. Genau rechtzeitig zum Sonnenuntergang. Aber ganz ehrlich: Man muss schon Menschen sehr gerne mögen, um nicht rückwärts ob der Menschenmassen und dem wenigen an Platz schlagartig die Flucht zu ergreifen. Gelohnt hat es sich trotzdem. Wie alles bis jetzt.

Diesmal gabs Abendessen zuhause. Auch nicht schlecht.

Mein Tip für heute: nicht in jedem Lokal, in dem man sitzend Essen zu sich nehmen kann, muss auch zwingend eine Toilette sein (wir sind hier ja nicht in der geordneten EU). Deshalb gehörte schon bald ein Klo-TL (eine 1-Lire-Münze) zu meiner Grundausstattung. Wenn es denn dort schon keine WCs gab, dann aber sicher im nahen Umfeld einer Moschee. Und davon hat Istanbul ja über 3000.

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